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24.11.2017 : 23:16

Renovierung der Domorgel

Im Jahre 2005 feiert die Orgel ihr 50-jähriges Bestehen

Am 8. März 1945, in den letzten Kriegstagen, wurde durch einen Fliegerangriff auf Wetzlar auch der Dom getroffen. Bomben zerstörten den Chorraum und damit den Lettner, auf dem die Orgel der katholischen Gemeinde stand. Durch die Detonation wurde auch die Orgel der evangelischen Gemeinde auf der Westempore völlig zerstört. Damit hatten beide Gemeinden ihre wertvollen Instrumente verloren.

In den von Entbehrung gezeichneten Jahren nach dem 2. Weltkrieg war es vor allem die Industriellenfamilie Leitz, die sich in vorbildlicher Weise um den Aufbau des kulturellen Lebens in der Stadt einsetzte. Es wurde die Kulturgemeinschaft gegründet, die Singakademie ins Leben gerufen, Konzerte wurden veranstaltet. Das Haus Friedwart entwickelte sich zur Keimzelle der wieder aufblühenden Kultur in unserer Stadt.

Mit dem Wiederaufbau des Domes wurde auch die Ruf nach einer neuen Orgel laut. Die Familie Leitz ergriff die Initiative und stiftete beiden Gemeinden am Dom eine gemeinsame große Orgel. Ihr Erbauer Rudolf von Beckerath aus Hamburg gehörte zu den damals führenden und für seine handwerklichen Qualität bekannten Orgelbauern. Beide Ehrenbürger der Stadt Dr. Ernst Leitz II, der Vater sowie dessen Tochter,Dr. Elsie Kühn-Leitz (1903-1985), erteilten der Hamburger Firma 1953 den Auftrag. Darin war festgehalten, dass für die Ausführung nur Material in bester Qualität in Frage kommt.

Der berühmte Bach-Interpret und Organist Helmut Walcha aus Frankfurt entwarf mit dem Orgelbauer die Disposition nach norddeutsch -barockem Muster. Es entstand ein prächtiges Instrument: 49 klingende Stimmen verteilt auf 3 Manuale und Pedal, mechanische Spieltraktur, pneumatisches Regierwerk, 4 pneumatische Setzerkombinationen – in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Walcha überwachte die Intonation des Instrumentes, das schließlich Anfang 1955 im Dom aufgestellt werden konnte, nachdem die Wiederaufbauarbeiten des Chorraums abgeschlossen waren. Es war geradezu eine Sensation, ein so großes Instrument in unsere ländliche Region zu bekommen; für viele Orgelbegeisterte wurde die Domorgel in Wetzlar zum „Wallfahrtsort“.

Auch der Name Albert Schweitzer ist mit der Orgel verbunden.

Helmut Walcha weihte die Domorgel mit einem großen Bachkonzert am 14. Mai 1955 ein. Auch der Name Albert Schweitzer ist mit der Orgel verbunden. Schweitzer spielte hier Konzerte und rühmte das Instrument. Seit 1955 erklingt unsere Domorgel – unterbrochen nur durch die Innenrenovierung des Domes 1985/86 und der damit verbundenen Generalreinigung – regelmäßig in den Gottesdiensten, kirchlichen Feiern und Konzerten zum Lobe Gottes und zur Freude vieler Menschen.

Die Domorgel ist ein Stück Wetzlarer Stadtgeschichte und Geschichte der beiden Gemeinden im Dom. Sie ist ein in allen Teilen repräsentatives Dokument der Orgelbauweise Anfang der 50er Jahre. Auch nach dem Urteil von Fachleuten ist ihre technische und klangliche Qualität ungebrochen.

Verfasser: Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn