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23.05.2017 : 7:00

Spenden

Eines der ältesten Bauwerke Wetzlars ist saniert

Wetzlar (wv). Die 230 000 Euro teure Sanierung des Heidenportals am Wetzlarer Dom, eines der ältesten Bauwerke der Stadt, ist nachmehr als fünf Jahren abgeschlossen. Die Restauratoren entfernen jetzt Gerüste und Schutzfolien. Nun können auch Besucher bei ihrem Rundgang durch den historischen Heidenhof das reich verzierte Portal zum romanischen Vorgängerbau des Domes, der zwischen 1170 und 1190 entstand, bestaunen.

Groß ist die Freude über die gelungene Renovierung des Wetzlarer Wahrzeichens bei den Verantwortlichen der Dombauverwaltung und des Dombau-Vereins. Die Kosten teilen sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) (102 000 Euro), das Landesamt für Denkmalpflege (41 000 Euro) und die Dombauverwaltung (67 000 Euro). Die übrigen 20 000 Euro hat der Dombau- Verein aus Spenden und Sonderaktionen beigesteuert. „Modellhafte Konservierung und Restaurierung umweltgeschädigten Schalsteins am romanischen Heidenportal des Wetzlarer Domes“ heißt das Projekt offiziell. Den langen und schwierigen Weg bis zum Abschluss der Arbeiten schilderten die verantwortlichen Enno Steindlberger (Mainz) vom Institut für Steinkonservierung und die Restauratoren, Matthias Steyer und Katja Schmeikal (Niedernhausen). In den vergangenen 100 Jahren erfolgten an den Mauerwänden im Heidenhof und den Außenflächen des Heidenportals immer wieder umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen. Der Prozess der Verwitterung aber konnte nicht aufgehalten werden. „Der Grund liegt im Material“, erklärt der Diplom-Geologe Steindlberger. Beim Bau des Heidenportals verwendete man den heimischen Schalstein, ein zirka 400 Millionen Jahre altes und für die Region charakteristisches Material, das seine schalige Absonderung bereits im frischen Zustand im Steinbruch zeigt. Der Schalstein gilt als besonders witterungsanfällig.

Verwitterung war nicht aufzuhalten

Damit handelsüblichenMitteln keine abgesicherte Konservierung des Schalsteins möglich war, wurde ein Forschungsprojekt zu dessen Erforschung auf Initiative von Professor Gerd Weiß von der Landesdenkmalpflege mit Unterstützung öffentlicher und privater Gelder realisiert. Mit der entwickelten Stoffkomponente war es möglich, die hochwertige Sicherung des Wetzlarer Heidenportals als Pilotprojekt in Angriff zu nehmen. Aber auch bei andere historischen Bauten im mittelhessischen Raum – Braunfelser Schloss, Kloster Altenberg und Limburger Dom – soll das neue Konservierungsverfahren Anwendung finden. „Zunächst mussten die Fensterbögen, Säulenkapitale und Wandflächen gesäubert und von losem Stein befreit werden“, berichten Matthias Steyer und Katja Schmeikal die aufwändigen Arbeiten. Mit Hilfe eines Vakuumverfahrens wurde das neu entwickelte Konservierungsmittel inmehreren Arbeitsgängen aufgetragen und die Mauern witterungsbeständig verschlossen. Abschließend wurde jeder Stein abgeböscht, so die Fachbezeichnung für die regenwasserabweisende Behandlung des Mauerwerks. Durch einen farblich angepassten Schlämmauftrag erscheint das Heidenportal nun mit geschlossener Oberflächenstruktur.
Das entspricht der historische Vorgabe. „Mit dem dauerhaften Gesteinschutz am ältesten Teil des Domes sind die Renovierungsarbeiten an dem historischen Gotteshaus nicht abgeschlossen“, erklärt Diplom-Architekt Herbert Esser. Gleichzeitig verweist der Vorsitzende der Dombauverwaltung auf die witterungsbedingten Schäden am Heidenturm und den Balustraden. Außerdem benötige das undichte Dach des Domturmes schnellmöglich eine Neudeckung. Die beiden Domgemeinden laden alle Interessierten für den zweiten Adventssonntag zu einer Besichtigung des Heidenportals ein. In der Zeit von 10 Uhr bis 13 Uhr wird die Vorsitzende des Wetzlarer Geschichtsvereins, Oda Peter, das historische Portal in allen Einzelheiten erklären.

Herbert Esser und Reinhold Stahl von der Dombauverwaltung (1. und 3.v. l.) freuen sich über 20 000 Euro, die ihnen Ruth Viehmann, Rolf Ketzer und Otto Jung (v. l.) vom Wetzlarer Dombau-Verein zur Deckung der Restaurierungskosten überreichen.

Das historische Heidenportal an der Westseite des Domes erstrahlt im neuen Glanz.
(Fotos: Volkmar)

(Wetzlarer Neue Zeitung vom 23.11.2006)

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