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18.09.2019 : 6:09

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Dämonen zieren den Dom

Oda Peter erklärt Bedeutung der Tiere und Pflanzen im Gotteshaus

Wetzlar (wv). Mit einem Fernglas ausgerüstet gingen am Samstagnachmittag 30 Teilnehmer auf Spurensuche. Zusammen mit der Kunsthistorikerin Oda Peter wollten sie die in Stein gemeißelte Flora und Fauna im Wetzlarer Dom erkunden und mehr über die Bedeutung der Tiere und Pflanzen erfahren, die seit dem Mittelalter das Gotteshaus schmücken. Oda Peter erklärt Bedeutung der Tiere und Pflanzen im Gotteshaus Zu Beginn des vom Dombauverein angebotenen Rundgangs erklärte Peter die Denkweise der Menschen im Mittelalter, die mit der Darstellung von Pflanzen und Tieren eine religiöse Symbolik verbanden. Der Mensch glaubte an die leibhaftige Existenz von Dämonen. Viele dieser Phänomene, die sein Leben begleiteten, konnte der Mensch nicht einordnen. Sie schwirren – so glaubte man – umher und bringen Krankheit, Hunger oder Missernten. Die Tierdarstellungen an mittelalterlichen Kirchen hatten neben der Beispielfunktion für gutes oder schlechtes Verhalten auch die Aufgabe des Abwehrzaubers. So haben die Tierplastiken auch im Wetzlarer Dom Einzug gehalten und zieren seit vielen hundert Jahren, von den Besuchern meist übersehen, die Säulen und Bögen des gotischen Gotteshauses. „Obwohl man auch im Dom nicht jede zu Stein gewordene Symbolik erklären kann, viele sind auch aus Marotten der Steinmetze entstanden, verfügt das Wetzlarer Wahrzeichen über eine Vielzahl deutungsrelevanter Elemente“, so die Kunsthistorikerin. 

Tierdarstellung als Beispiel für gutes und schlechtes Verhalten

Dazu gehören auch zwei Löwen am oberen Ende einer Säule. Dank ihrer Ferngläser konnten die Besucher die Figuren entdecken und den Erklärungen folgen. Der Bartraufer an der Mittelkonsole der Südseite mit seinen gefletschten Zähnen und dem strähnigen Haar wird allgemein als Symbol der Zwietracht zwischen Christus und dem Teufel gedeutet. Auf einer Konsole entdecken die Teilnehmer zwei ineinander verschlungene Hunde, sie stehen als Zeichen der Treue. Aber auch Tauben, Esel, Löwen und Drachen haben im weiten Rund des Domes einen Platz gefunden, sie verkörpern die guten und bösen Mächte. Als blühender Garten mit Bäumen und Früchten stellte man sich im Mittelalter das Paradies vor. Das ist ein Grund, warum an den Kapitellen, Konsolen und Gesimsen des Domes eine paradiesische Pflanzenwelt zu bestaunen ist. Aber auch die Bedeutung der Heilpflanzen, als Parallele zu der heilenden Kraft der kirchlichen Sakramente, ist an vielen Stellen des Domes verewigt. Die sachkundige Führung von Oda Peter durch die Tier und Pflanzenwelt im Wetzlarer Dom war für die Teilnehmer eine spannende Exkursion, die an der großen Domorgel ihre Fortsetzung fand. Dom- und Bezirkskantor Horst Christill hatte die Aufgabe übernommen, den Aufbau und die Funktion der Kirchenorgel zu erklären. Den Schlusspunkt setzte der Organist Christill mit der machtvoll klingen „Toccata“ aus einer Orgelsinfonie von Charles Marie Widor.


Die Blicke nach oben gerichtet: die Tier- und Pflanzenskulpturen im Dom befinden sich im Deckenbereich.
(wnz, 22.06.10, Foto: Volkmar)

22.06.2010 08:00 Alter: 9 Jahre